Bauwesen Streitlösung, DGA Berlin, Information DGA
Bauwesen Streitlösung, DGA Berlin, Information DGA
DGA-Bau Deutsche Gesellschaft für Außergerichtliche Streitbeilegung in der Bau- und Immobilienwirtschaft e. V.
DGA-Bau Deutsche Gesellschaft für Außergerichtliche Streitbeilegung in der Bau- und Immobilienwirtschaft e. V.

Weiterbildung zum Streitlöser DGA-Bau-Zert®

Der 1. Ausbildungslehrgang

hat am 12.04.2018 begonnen.

 

Auch die Termine zum 2. Ausbildungslehrgang vom 17.01.-29.06.2019 stehen schon fest.

 

Ort: Ismaning bei München

Streitlöser-Datenbank

Wir bereiten die Streitlöser-Datenbank vor. Informieren und Registrieren Sie sich hier.

Termine DGA-Bau

12.10.2018

Gemeinsame Arbeitskreissitzungen und Jahreshauptversammlung in München

29.03.2019

9:00 Uhr bis 17:00 Uhr

9. Kongress Konfliktmanagement in der Bau- und Immobilienwirtschaft

in Berlin, Steigenberger Hotel Am Kanzleramt

Verfahren der ASB

Der AK 1 hat einen Gesamtüberlick über die Verfahren der ASB ausgearbeitet. Klicken Sie hier.

FLYER 2018

Die wichtigsten Informationen haben wir in unserem Flyer, Stand: 10.01.2018, zusammengestellt.

Mitgliedschaft

Geschäftsstelle

DGA-Bau e. V.
Heidefalterweg 12
12683 Berlin

Kontakt

Rufen Sie einfach an unter

+49 30 56586221

 

1.1 Partnering

 

Partnering ist ein außergerichtliches Verfahren zur Streitvermeidung, das vor dem eigentlichen Projektbeginn beginnt und sich durch das gesamte Projekt durchzieht. Das Partnering läuft nach einer Zieldefinition und der Auswahl der Verfahrensbeteiligten i.d.R. in zwei Phasen ab. In einer vorbereitenden Phase soll der gewünschte Vertragspartner frühestmöglich in die Planungsphase eingebunden werden, bis ein detaillierter Terminplan und ein aufgeschlüsseltes Angebot vorliegt. Ist der richtige Vertragspartner gefunden, wird der Vertrag geschlossen und in die Umsetzungsphase eingestiegen. Das Partnering ist vielseitig einsetzbar, insbesondere jedoch bei Projektverträgen (z.B. Architekten- und Ingenieurverträgen, Bauverträgen, Projektsteuerungsverträgen), dort insbesondere im Schlüsselfertigbau, bei Kooperationsverträgen und bei Fusionsverträgen. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V. hat einen Leitfaden erstellt, auf dem aufgebaut werden kann (Leitfaden für die Durchführung eines Kompetenzwettbewerbs bei Partnerschaftsmodellen, Berlin, März 2007, www.bauindustrie.de).

Ziel des Verfahrens ist es, durch ein Kennenlernen der Parteien/Projektbeteiligten in einem entspannten, emotionsfreien Rahmen ein gemeinsames Verständnis von der bevorstehenden Aufgabe zur Vermeidung oder leichteren Ausräumung späterer Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten zu entwickeln. Dadurch soll eine gemeinsame Sach- und Beziehungsebene gefördert werden.

Wesentliche Stärken des Partnering sind eine sehr frühe weitgehende Kosten- und Terminsicherheit durch die gemeinsame Erarbeitung und Festlegung des Leistungssolls und des Ablaufs, der Projektablaufstrukturen und des Projektcontrollings, bei der zugleich Optimierungspotenziale ausgeschöpft und Kosten gesenkt werden können; eine ausgewogene Vertragsgestaltung sowie die Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten im Team; ferner eine Zeitersparnis durch Verzahnung der üblicherweise nacheinander geschalteten Projektphasen, das Vermeiden von Wiederholungsschleifen im Planungsprozess; eine transparente Preisgestaltung durch verbindliche Kostenbewertungen und transparente Planungsrisiken. Partnering senkt das Konfliktpotenzial und damit auch die Konfliktbeilegungskosten.

Das Partnering hat neben seinen Stärken aber auch Schwächen. Wegen des engen Kontakts zwischen den Teammitgliedern können andere Reibungspunkte entstehen. Darüber hinaus erfordert das erfolgreiche Partnering nicht nur einen hohen Einführungsaufwand (Partnerauswahl, Workshops etc.), sondern auch eine persönliche Überzeugung und Mitwirkung aller Teammitglieder. Auch der zusätzliche Koordinationsaufwand ist nicht zu unterschätzen. Aufgrund der wertorientierten, strategischen und langfristigen Ausrichtung werden u.U. kurzfristige Erfolgspotenziale nicht wahrgenommen und realisiert.

In der Abgrenzung zu den Ausgangssituationen bei „echten“ außergerichtlichen Streitbeilegungsverfahren sind zu lösende Konflikte noch nicht entstanden. Das Partnering ist vielmehr eine Möglichkeit der präventiven Konfliktvorbeugung und unterscheidet sich von anderen Verfahren insbesondere durch den Zeitpunkt seines Beginns, noch bevor die Parteien vertragliche Bindungen eingehen.

 

1.2 Interessenorientiertes Verhandeln (Harvard-Konzept)

Beim Verfahren des interessorientierten Verhandelns liegt der Schwerpunkt der Verhandlungen auf den Interessen und Bedürfnissen der Parteien und nicht wie üblich auf deren Positionen bzw. Forderungen. Um dies zu erreichen, folgt die interessenorientierte Verhandlung einer kooperativen Ablaufstruktur. Nach einer Eröffnungsphase, in der ein „Arbeitsvertrag“ erstellt wird, der die nachfolgenden Phasen regelt, folgt eine Phase, in der die im Raum stehenden Konfliktthemen / -punkte gesammelt und präzisiert werden. Anschließend wird der Sachverhalt gemeinsam aufgeklärt. Bevor dann Lösungen zur Ausräumung der Konflikte gesucht werden, werden die wirtschaftlichen und persönlichen Interessen der Parteien ermittelt, die mit der Konfliktlösung erreicht werden sollen. Liegen die Lösungsoptionen auf dem Tisch, werden diese anhand objektiver, legitimer, normativer Kriterien, die vom Willen der Parteien getragen werden und für alle Parteien gültig und verbindlich sind, bewertet und mit den besten Nichteinigungsalternativen verglichen, bevor die Verhandlungen zu einem positiven oder negativen Abschluss führen.

Das interessenorientierte Verhandeln verfolgt das Ziel, nach einer Trennung der Sachebene von der Beziehungsebene, d.h. von Mensch und Problem sowie der Interessen von den Positionen, möglichst viele Einigungsoptionen zu kreieren, die möglichst alle, jedenfalls viele Interessen der Parteien berücksichtigen.

Als Stärken des interessenorientierten Verhandelns werden u.a. der Erhalt der Kontrolle über den Verhandlungsprozess und das Verhandlungsergebnis durch die Parteien und die i. d. R. schnelle Durchführung (binnen weniger Wochen) hervorgehoben. Weitere positive Aspekte sind niedrige Kosten, die Wahrung der Reputation ohne Gesichtsverlust und eine Stärkung der Geschäftsbeziehung durch die erreichten Ergebnisse.

Als wesentliche Schwäche des interessenorientierten Verhandelns wird die durch eigenes, regelmäßig wertorientiertes Verhandeln ausgelöste Zurückhaltung bei der Offenlegung der Interessen genannt, weil jede Partei annimmt, die jeweils andere werde die Offenheit der einen Partei zu Gunsten der anderen Partei ausnutzen. Dies wiederum führt dazu, dass die meisten erreichten Lösungsoptionen entweder noch weit von den realisierbaren Potenzialen entfernt sind oder aber die Verhandlungen scheitern. Erfahrungsgemäß verhindert auch eine aufgrund bereits fortgeschrittener Eskalation hervorgerufene verzerrte Wahrnehmung häufig eine Korrektur oder Erweiterung der Verhandlungsthemen. Schließlich gibt es häufig Schwierigkeiten bei der Festlegung der Kriterien für die Quotierung materieller Rechtsansprüche im Hinblick auf Kosten und Termine, da es vielfach keine objektiven, sondern nur legitime und normative Kriterien gibt.

In der Abgrenzung zu anderen Verfahren außergerichtlicher Streitbeilegung unterstützt kein Dritter die Verhandlungen zur Konfliktbeilegung durch seine unverbindliche Einschätzung der Sach- und/oder Rechtslage. Das interessenorientierte Verhandeln ist ein selbstbestimmtes Verfahren der Parteien ohne einen Dritten.

 

1.3 Mediation ohne Mediator (Collaborative Law)

Dieses Verfahren der außergerichtlichen Streitbelegung ist zwischen der zweiparteilichen interessenorientierten Verhandlung (Ziffer 1.2) und der drittunterstützten Mediation (Ziffer 2.2) angesiedelt. Es wird deshalb als Mediation ohne Mediator bezeichnet. Dabei werden die verhandelnden Parteien jeweils durch Dritte, sog. Collaborative-Law-Experten (Baujuristen und/oder Sachverständige, die in Verhandlung und Mediation gesondert geschult sind), unterstützt. Diese Experten beraten die eigenen Parteien in allen rechtlichen Angelegenheiten und vertreten deren Interessen gegenüber ihrem Verhandlungspartner außergerichtlich. Im Gegensatz zu Parteianwälten sind sie jedoch vertraglich aufgrund der Mandatsvereinbarung in besonderer Weise zu einer kooperativen, einvernehmlichen und interessens-, nicht positionsorientierten Verhandlungsführung und Beilegung des Konflikts verpflichtet. Eine spätere Vertretung im Prozess wird ihnen durch entsprechende vertragliche Regelungen untersagt, so dass ihr Erfolg nicht in der Durchsetzung rechtlicher und materieller Positionen gemessen wird, sondern an der erzielten interessengerechten Einigung. Der „Prozess“ stellt für diese Experten, da sie hiervon nicht profitieren, keine echte Nichteinigungsalternative im Rahmen ihrer Verhandlungen dar.

Das Verfahren ist in Deutschland in der gängigen Praxis weitgehend unbekannt, wird aber in den USA bereits praktiziert. Der Ablauf der Verhandlung ist gleich dem interessenorientierten Verhandeln strukturiert, wenngleich hier keine Kriterien zur Bewertung der gefundenen Lösungen vereinbart werden, sondern vielmehr eine Abwägung des erzielten Ergebnisses im Hinblick auf die mit der möglichen Einigung abgedeckten Interessen mit den Nichteinigungsalternativen stattfindet. Ziel des Collaborative Law ist es, eine bedürfnisorientierte, faire Lösung zu erarbeiten, die vor allem große Akzeptanz und Nachhaltigkeit findet.

Hinsichtlich der Stärken und Schwächen der Mediation ohne Mediator und auch zu den Abgrenzungsmerkmalen zu anderen Streitbeilegungsverfahren kann auf die Ausführungen zum interessenorientierten Verhandeln (Ziffer 1.2) und zur Mediation (Ziffer 2.2) verwiesen werden.

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© DGA-Bau Deutsche Gesellschaft für Außergerichtliche Streitbeilegung in der Bau- und Immobilienwirtschaft e. V., Stand: 24.07.2018